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"Ich erschrecke und bekomme diese gewaltigen Unterschiede in meinem Kopf nicht zusammen. Wie kann ein Menschenleben so unterschiedlich aussehen?

Wbild camillair besuchen ein Mädchen aus der Umgebung, um ein Interview mit ihr durchzuführen. Sie hat 5 Brüder, 3 davon wohnen im Kinderheim, während sie auf die 2 Kleinen Zuhause aufpasst, da ihre Mutter arbeitet (sie verdient ca 5€ pro Tag). Wir laufen in einen schmalen Gang, der Boden besteht aus Dreck, Müll und provisorischen Brettern. Links und rechts geht es in die Häuser anderer Familien, getrennt durch dünne Holzbretter. Wir klettern eine schmale, wacklige und unkomfortable Leiter hoch, es ist erstmal ein Abendteuer dort hoch zu kommen. Ich wusste nicht, was mich erwartet, aber jetzt weiß ich es: Das ist das Zuhause dieser Familie. Links eine kleine Kochplatte (gekocht wird also, in dem man auf der Leiter steht) und rechts eine kleine Fläche, ich schätze 3x2 Meter. Hier wird gegessen, gespielt, gekocht, geschlafen und gelebt. Wenn die 3 Jungs also nicht im Kinderheim wären, würden hier 8 Menschen leben und schlafen, jetzt sind es „nur“ 5. Ihre Klamotten und ihr Hab und Gut sind kreativ und provisorisch an den Wänden und der Decke festgemacht. So macht man das also, wenn man Platz sparen muss und keinen Schrank besitzt.
Während des Interviews erzählt uns das Mädchen, dass ihre Mutter ihr verbietet, zur Schule zu gehen, da sie auf die Kids aufpassen muss. Ihre Mutter schaut auf sie herab und sagt oft beschämende Bemerkungen, da das Mädchen gerne mit Freunden unterwegs sein will. Auch von Seiten der Community, der sie ausgesetzt ist, kommen böse Bemerkungen. Kein Wunder, dass sie sich nicht wohl fühlt und schlecht von sich selbst denkt. Zweimal kam sie zum Drop In Center um zu weinen und alles los zu werden, um einen Platz zu finden, wo sie akzeptiert und geliebt ist – auch Selbstmordgedankten haben sie gequält. Aber ihr Herz für ihre Familie ist zu groß, weshalb sie diese Gedanken abgelegt hat. Ihr 2jähriger Bruder steht plötzlich auf, stellt sich vor die Leiter und macht mal für kleine Männer – einfach die Leiter runter und es scheint niemanden zu stören. Ich erschrecke und bekomme diese gewaltigen Unterschiede in meinem Kopf nicht zusammen.

Wie kann ein Menschenleben so unterschiedlich aussehen? Warum hat sie es so schwer, während wir sogar entscheiden können, was wir essen wollen und wie viel. Besuche wie diese öffnen mir die Augen, wie sehr wir im Luxus leben und öffnen mir das Herz für diese Menschen hier.
Ich wünsche mir so sehr, dass diese Menschen Jesus kennen lernen, er in dieser Dunkelheit sein Licht scheinen lässt und den Menschen Halt gibt, Hoffnung schenkt und sie aufatmen lässt."

 

- Dieser Tagebucheintrag stammt von Camilla Jenny. Die junge Frau absolviert bis Februar 2020 ihr Praxissemester (Soziale Arbeit) in der Straßenkinderarbeit in Manila.-

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