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"Langsam wird die anfängliche Überforderung vom Alltag abgelöst, der hier immer wieder von Entschleunigung geprägt ist.

Doch vielleicht sollte ich mich erst einmal vorstellen. Ich heiße Nadja Gaukler, bin achtzehn Jahre alt und habe dieses Jahr mein Abitur gemacht.

street full Nach dem Abi wollte ich gerne ins Ausland gehen und in einem sozialen Projekt mitarbeiten. Nach langer Überlegung habe ich mich schließlich für CPI und dadurch für SPECS entschieden. Dort werde ich fünf Monate verbringen.
Den Großteil meiner Zeit verbringe ich im ESP, dem Arm der Organisation, der sich auf die Bildung konzentriert. Ebenso möchte ich gerne im Home for Boys, dem Kinderheim, arbeiten. Denn ich erhoffe mir dort noch mehr in die Kultur und Schicksale der Kinder einzutauchen.

Am neunten Januar kam ich um zwanzig Uhr in Manila an. Nach den kalten Minusgraden in Deutschland, waren die 30 Grad Celsius, die mich am Flughafen erwarteten, ein Schock.
Ich wurde
sehr freundlich von allen aufgenommen. Schon am Flughafen kam mir eine Welle von Gastfreundschaft und Freundlichkeit entgegen. Camilla, meine Mitpraktikantin für die ersten beiden Monate, nahm mich sofort liebevoll auf und half mir mich zurecht zu finden. Jemanden zu haben, mit dem man deutsch sprechen kann und der die eigene Kultur versteht, ist in einer solchen Lage von grundlegender Wichtigkeit. Dass Camila dies nicht hatte und trotzdem nicht den Mut verloren hat, bewundere ich sehr. Auch wenn die Mitarbeitenden von SPECS wirklich freundlich und zuvorkommend sind, ist es doch eine ganz andere Sache, eine Freundin zu haben und auch über mehr Themen als nur Alltägliches zu sprechen.
Dank Camilla und durch die ganze Ablenkung, die durch die neuen Eindrücke entstand, hielt sich mein Heimweh in Grenzen - es war auszuhalten. Doch nach einem Monat hat sich die Normalität eingestellt und Camilla ist inzwischen auch wieder abgereist.
Jetzt kommt das Heimweh dann doch und so zähle ich auch manchmal die Wochen, die ich noch getrennt von zu Hause verbringe.

Hfb view

Einer der Gründe für das Heimweh ist, dass hier alles so anders ist.
Alles ist voll und chaotisch. Deutsche Autofahrer würden bei diesem Verkehr die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und wenn ein Filipino sagt, man treffe sich um sieben Uhr, kann man frühestens zwanzig Minuten später mit ihm rechnen.

Der wöchentliche Gottesdienst wird in einem kleinen Raum, eng bestuhlt mit Plastikstühlen, abgehalten. Man beginnt mit einem Lobpreis, bestehend aus gesungenen Liedern. Begleitet wird man dabei von Schlagzeug, Gitarre und Bass. Dies ist eine neue Sache für mich, da ich im katholischen Gottesdienst in Deutschland vor allem an die Orgel gewöhnt bin. Anschließend werden Gebete gesprochen und eine Predigt vorgetragen, die auch mal länger als eine Stunde andauern kann, HfBwas für mich eine kleine Herausforderung darstellt. Es wird sich zwar stets bemüht in englisch zu sprechen, doch lässt dies nach einer Weile kontinuierlich nach, wodurch das Folgen immer schwieriger wird und die Gedanken gerne mal abschweifen.

Ich mag die Gemeinschaft und die Hingebung der Menschen zu Gott sehr.

Trotz der Fülle an Menschen fühlt man sich doch immer wieder alleine und fremd, fast wie ein Alien. Und gleichzeitig bin ich hier der Offenheit, Gastfreundschaft und Flexibilität der Filipinos begegnet, von der immer gesprochen wird und die einer der Gründe dafür war, warum ich mich ausgerechnet für die Philippinen entschieden habe. Ich wurde gleich aufgenommen, auch wenn die Sprachbarriere ein Problem darstellt. Die Jungs aus dem Home for Boys können kaum Englisch, was die Kommunikation mit ihnen leider sehr schwer macht. Da muss man sich mit Händen und Füßen verständigen oder den Googletranslator zur Hilfe nehmen. Mit den Jungs zu spielen, oder sie abends ins Bett zu bringen, ist jedoch auch ohne gegenseitiges Sprachverständnis möglich. Wenn sie sich freuen, dann geht einem das Herz auf.

Ein toller Teil meines ersten Monats war es, auch mal aus der vollen Großstadt raus zu kommen und einen Kurzurlaub in den Reisterrassen von Banaue und zum Vulkan Mount Pinatubo zu unternehmen. Die Ruhe und Kälte von diesen Orten stehen in großem Kontrast zu der Hitze und den ständigen Geräuschen in Manila. Hier konnte ich auch endlich die landschaftliche Schönheit der Philippinen bewundern.

Manila hat sich in diesem Monat von vielen Seiten gezeigt. Die große, volle Großstadt, die völlig chaotisch und völlig überfordernd sein kann. Der große Unterschied von arm und reich. Die Menschen, denen ich hier begegne sind alle zuvorkommend und liebevoll, auch wenn sie nichts besitzen. Man wird schnell zu jemanden nach Haus eingeladen oder auch in die Heimat. So wurde ich eingeladen über Ostern in die Provinz ans Meer zu fahren, zusammen mit einer Kollegin. Dies ist die Gastfreundschaft, von der so viel gesprochen wird. Dass dies auch anders sein kann und es hier durchaus auch Menschen gibt, die es nicht gut meinen, bekommt man nicht erst bei den Geschichten der Jungs mit. Aufgenommen wird man von den Leuten aber herzlich. Wenn man die Großstadt verlässt, kann man auch die Schönheit des Landes erleben.
Ich bin dankbar, dass ich diese Erfahrung machen kann und mehr über mich selbst und andere Menschen lernen kann.

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Bis jetzt hat mich diese Erfahrung vor allem die Wichtigkeit von zwischenmenschlichen Beziehungen gelehrt. Ich habe festgestellt, wie gesegnet ich bin, dass ich eine liebende Familie und Freude habe und dass es wichtig ist diese Beziehungen zu pflegen. Doch auch die Offenheit für neue Beziehungen trainiere ich hier. So versuche ich jedem gegenüber offen zu sein und neue Beziehungen zu knüpfen."

 

- Dieser Bericht stammt von Nadja Gaukler. Die junge Frau ist seit Anfang des Jahres Freiwillige in der Straßenkinderarbeit in Manila.-

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