news

News & Events

Drop In

Nach den ersten 2 vergangenen Monaten und dem mir bevorstehenden Arbeitsplatzwechsel ist es wohl Zeit für eine erste Zusammenfassung meiner Arbeit hier in Manila, finde ich.

Jeden Dienstag- bis Samstagmorgen der letzten Monate führte mich mein Weg mit zahlreichen öffentlichen Verkehrsmitteln nach Parañaque, wo der Drop In Center, nahe einer großen Müllhalde liegt.

Parañaque ist eine sehr arme Gegend, in der viele Kinder anstatt zur Schule zu gehen den ankommenden Müll sortieren um ein wenig Geld zu verdienen, wobei man nicht mal von einem Hungerlohn sprechen kann.

p1180619 klDie ganze Community dort “verdient” an dem Müllgeschäft, überall häuft sich Müll, egal ob Frisch geliefert und total durcheinander, in Säcken sortiert und gestapelt oder mitten auf einem öffentlichen Platz vor sich hin lodernd. Es ist dreckig und stinkt, überall sieht man kleine und größere Kinder mit Müllsäcken über der Schulter oder bis zum Ellbogen drin wühlend. Ihre Hände und Füße sind schwärzlich gefärbt und den Geruch von frischem und verbranntem Müll bekommen sie nicht mal durch eine Dusche aus Kleidung und Haaren.

 

Es ist also genau der richtige Ort für den Drop In Center, ein Ort zum “eintrudeln”. Die Türen sind immer geöffnet für zum Beispiel misshandelte Frauen und Kinder oder kranke Gemeindemitglieder- Ihnen wird hier so gut es geht geholfen, sei es mit Rat und Gesprächen oder Medikamenten. Wer ein Problem hat, kommt hierher um bei den Angestellten Unterstützung zu finden, auch wenn es eher um bürokratische Fragen geht, wie eine fehlende Geburtsurkunde. Neben dieser individuellen Hilfestellung gibt es im Center auch einen eigentlich geregelten Wochenablauf mit speziellen Aktivitäten für jung und alt.

 

Out of School Program

Jeden Vormittag von Dienstag bis Freitag, trudelten mal mehr, mal weniger Kinder im Center ein. Teilnehmen darf nur, wer nicht zur Schule geht. Das sind dann echt die Kin-der, die in verdreckten, stinkigen, zerrissenen Kleidern reinkommen und manchmal eben auch nicht, weil sie draußen auf den Mülltransportern rumklettern, sprich Geld verdienen müssen. Deshalb muss auch jedes Kind, das teilnimmt erstmal duschen, allerdings haben die meisten Kinder keine Wechselkleidung dabei, weshalb das nur wenig aber immerhin ein bisschen hilft. Beim Out of School Program hatten wir zwar ganz viel freie Hand was die Aktivitäten mit den Kids angeht, allerdings war die Kommunikation aufgrund unserer noch sehr geringen Tagalog-Sprachkenntnisse etwas eingeschränkt, was uns aber nicht davon abhielt mit Händen und Füßen zu sprechen. Bei einer kleinen Gruppe von Kindern hatten wir zeitweise auch Probleme mit Handgreiflichkeiten und allgemein “zivilisiertem” Umgang untereinander, da haben sich zwei Mädels plötzlich an den Haaren gezogen bis eine weinte, es wurde geschuppst, gekniffen, gerangelt…

p1170828 klHier hatten wir zeitweise auch ein richtiges Tief, da für ungefähr eineinhalb Wochen einfach die Kinder ausblieben. Da stellt man natürlich gleich seine eigenen Kompetenzen in Frage und diese Zeit war auch echt frustrierend, weil es dann so wenig für uns zu tun gab. Man erklärte uns das Fernbleiben der Kinder so, dass sie in Zeiten, in denen besonders viel Müll in Parañaque ankommt beim Müllsortieren gebraucht werden und sie es sich nicht leisten können im Drop In Center Kind zu sein. Auch heftiger Regen und daraus resultierende Überschwemmungen erschweren den Gang zum Center, wie es auch in dieser Zeit der Fall war. Motiviert wie Anne und ich aber sind, beschlossen wir Spiel und Spass einfach in die Community zu bringen, wenn die Kinder es nicht schaffen zu uns zu kommen, um ein wenig die “Werbetrommel zu wirbeln”. So verbrachten wir also einige Nachmittage unmittelbar unter den Kindern der Community und deren normalen Umfeld und spielten einfache Spiele. Das war zwar sehr chaotisch und anstrengend aber die Kinder hatten sehr viel Spass und es hat sich gelohnt: Am ersten Tag nach unserer Werbeaktion kamen uns beim Betreten des Centers 30 spielwillige Kinder kreischend entgegengerannt.

Die Zeit im Drop In wird mir als sehr positiv und wertvoll in Erinnerung bleiben, auch wenn es zwischen durch so manches Problemchen gab, waren es doch die frohen, witzigen Momente die deutlich überwiegt haben! Nicht zuletzt wegen dem ganz einzigartigen Team mit ganz einzigartigen Charakteren und Eigenarten, von denen ich die meisten echt lieb gewonnen habe.

Ich werde Parañaque nie vergessen und der Anblick der bettelarmen, nackten aber dennoch fröhlich winkenden Kindern am vermüllten Straßenrand trage ich im Herzen, und das ist auch gut so.

Zum Seitenanfang